Gestern habe ich zwei Bassisten-Alben vorgestellt, die ich mir am Anfang meiner Bass-Karriere gekauft habe und die mich dadurch recht stark beeinflusst haben. Heute nun stelle ich nochmal zwei Alben vor, die ich mir dann etwas später zugelegt habe.
Me'Shell Ndegéocello – Plantation Lullabies (iTunes)
Me'Shell ist mir zum ersten Mal in der Occasions-Kruschtel-Kiste eines CD-Ladens in Biel begegnet. Damals hat mich das Cover von Plantation Lullabies irgendwie angesprochen (ich kaufe CDs oft wegen des Covers), und ich wurde nicht enttäuscht: Ich kann die Musik schwer beschreiben, aber Me'Shell schafft es irgendwie, Funk, Hip Hop und Soul so zu verbinden, dass es unter die Haut geht. Ihr erstes Album ist noch etwas härter (im Sinne von hard funk, nicht hard rock ;-)), ihr späteres Album
Peace Beyond Passion (iTunes) ist da schon etwas abgemilderter, gefallen tun mir beide Alben sehr gut, auch wegen der sehr ehrlichen und persönlichen Texte. Von den in diesen zwei Blogbeiträgen vorgestellten Alben ist es vermutlich die für Nicht-Bassisten hörbarste Musik (abgesehen von David Sanborn, natürlich). Ich sag mal: Wer auf Prince steht, muss sich unbedingt Me'Shell Ndegéocello anhören. Interessanterweise nennt Wikipedia sie die Wegbereiterin des Neo-Soul.
Mehr zu Me'Shell (die übrigens in Berlin geboren wurde) gibt es zum Beispiel bei Wikipedia und auf der (von einem Fan betriebenen?) Website freemyheart. Hier noch das Video zu „(If That's Your) Boyfriend“ vom Album Plantation Lullabies.

Michael Manring - Unusual Weather (1989)
Der Bass hat eigentlich seine je nach Musikrichtung recht fest definierte Rolle in der Band. Wer diese Rolle erweitern will, begibt sich erst einmal auf gefährliches Gebiet: Es ist ein hoher Aufwand, sich ausgefeilte Techniken draufzuschaffen, vor allem, wenn es darum geht, den Bass als Solo-Instrument einzusetzen. Hat man sich diese Mühe gemacht, erntet man oft Undank: Den nicht-bass-spielenden Hörer interessiert herzlich wenig, wie viel Aufwand und wie viel Technik in einem Stück drinsteckt. Musik muss erst einmal gefallen, erst einmal eine emotionale Reaktion hervorbringen - erst dann interessiert der Rest. Das gilt besonders, wenn man sich mit Müh und Not ein Thema wie Slapping, Tapping, Akkorde oder ähnliches draufgeschafft hat: Wenn man nicht musikalisch überzeug, wollen die meisten spätestens nach fünf Bass-Akkorden doch was anderes hören.
Umso beeindruckender finde ich es, dass Michael Manring sich nicht nur eine "Signature"-Technik draufgeschafft hat, sondern irgendwie alles angegangen ist, was man sich vorstellen kann: Open tunings (er spielt zum Beispiel gerne Zon-Viersaiter mit vier Hipshot-Tunern, wo er alle vier Saiten während des Spielens umstimmen kann), slapping, tapping, Akkorde, Looping, Effekte, E-Bow, Spielen auf bis zu drei Bässen gleichzeitig - und das alles auch auf Fretless-Bässen mit einer unfassbaren Intonation.
Und das alles verbindet Manring mit einem ausgeprägten musikalischen Geschmack und einer großen Kompositionsbegabung. Kein Wunder also, dass ich nach dem Kauf von Unusual Weather (wieder von einem CD-Grabbeltisch) erst einmal keine Ahnung hatte, was ich da erworben hatte: Im Vordergrund steht erst einmal die experimentelle, anregende Musik (von manchen etwas abfällig als „New Age“-Musik bezeichnet), die überhaupt nicht verrrät, mit welchen Mitteln sie eingespielt wurde. Natürlich hilft es, dass hier der Bass in eine gesamte Band eingebunden wurde.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir zwar einige Alben von Sadhappy gekauft habe, auf denen Manring auch spielt, aber keines seiner späteren Solo-Alben. Das werde ich jetzt gleich nachholen.
Hier noch eines der vielen Manring-Videos auf YouTube, wo er ein Solostück spielt.


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