Die CD-Verkäufe nehmen dramatisch ab, die Umsätze der Musik(vertriebs)industrie brechen ein, und schuld sind allein die Raubkopierer. Diese Argumentation hört man schon seit ein paar Jahren, und des öfteren hat sie auch Auswirkungen auf die Gesetzgebung (wie z.B. in den USA auf die Schaffung des DMCA).
Das Arbeit 2.0-Blog stellt dazu in einer detaillierten Analyse eine überraschende Gegenthese auf: Die Abflachung bei den CD-Verkäufen ist nicht auf das Auftreten von Napster & Co. zurückzuführen, sondern hauptsächlich auf die Produkteigenschaften der CD. Der Markt für CDs ist in eine Sättigung eingetreten, die durch die technische Weiterentwicklung (MP3, CD-Brenner usw.) wenn, dann nur beschleunigt, aber nicht verursacht worden ist:
Seit 1990 hat jeder US Bürger mehr als 40 CDs neu gekauft. In einem vierköpfigen Haushalt haben sich also seit 1990 rund 160 CDs angesammelt. Selbst, wenn man 10 oder 20 Prozent davon als Verschleiß abziehen würde, verbliebe noch eine stattliche Zahl an CDs. Es ist also keineswegs verwunderlich, dass die Nachfrage nach neuen CDs in den vergangenen Jahren gesunken ist.

Was ist denn das für ne Begründung? Nur weil ich schon 100 cd's hab aus den letzten X Jahren soll ich jetzt auf neue Musik verzichten und mir keine CD's mehr kaufen und weiterhin nur die Musik aus den letzten X Jahren hören?
Die Argumentation ist andersrum: Natürlich ist nicht gemeint, dass du keine Musik mehr kaufen sollst.
Vielmehr ist wohl eher gemeint, dass die meisten dazu tendieren, weniger _CDs_ zu kaufen, weil sie schon viele gekauft haben. Das hat auch praktische Gründe: Der Regalplatz ist bei den meisten Leuten eben beschränkt. Das gilt natürlich nicht für Musikfanatiker wie uns :-).
Es ist dann vermutlich nur eine Minderheit, die mit der Musik zufrieden ist, die sie hat – die Mehrheit setzt dann auf Downloads und lädt sich die Musik digital auf Festplatte, MP3-Player und Handy, wo der Platz unbeschränkter ist. Das deckt sich auch mit meinen subjektiven Beobachtungen im Bekanntenkreis: Die Zahl derer, die sich gerne CDs kaufen nimmt sehr ab; die meisten wollen nur noch digital. Und genau das hat die Musikindustrie lange verpennt.